I
ch erinnere mich gut an die Totenwache.
Mein Vater lag auf dem Wohnzimmertisch im Sarg und wir versuchten trotz allem im Schlafzimmer zu
schlafen. Von wegen, es war kaum möglich! Irgendwann begannen sie Geschichten
zu erzählen, was es noch schlimmer machte.
Mein Vater, ließen sie nicht allein. In Turnus, zu zweit oder zu
tritt, standen ihm bei. Manchmal, tagsüber,
in ruhigen Momenten war sogar ich mit ihm allein. Ich hatte solche Angst.
Vor dem Wohnzimmerfenster, in einem Sarg auf dem Tisch, lag mein Vater still, in einem kürzlich gekauften Anzug, mit einem Hut auf dem Kissen neben seinem Kopf. Ich verstand es nicht, welchen Zweck der Hut nur hatte. Auch die Farbe des Anzuges nicht. Ich hatte tata eher in einem dunklen Grau gesehen, aber doch nicht in Milchkaffee.
Mama wollte, dass wir Fotos neben dem Sarg machen, und bestellte einen Fotografen. Und abwechselnd alle, mal in der Gruppe oder allein, gerade stehend oder mit einer Hand auf dem Sarg und tata anschauend, mussten wir in die Kamera schauen.
An seinem letzten Tag im Haus begann sich der Sarg zu bewegen, und meine Angst vergrößerte sich. Freunde trugen ihn über das Stiegenhaus hinaus und blieben vor unserem Blockgebäude stehen. Die erste Station. Wir waren viele um ihn herum und heulten alle. Einige riefen seinen Namen und schrien ihm zu, er solle noch nicht gehen.
Und so begann der Friedhofgang. Die Beerdigung war groß. Mein Vater, kannten viele. Wie es üblich war den Menschen ein letzter Gang zu ermöglichen,
so wurde tata von einem Lastwagen getragen, oben offen und mit mir neben dem Sarg.
Unten folgte der Rest schweigsam in Schwarz. Drei Pfarrer und die ganze Suite marschierten vor dem Auto. Viel Weinen war zu hören, vor allem dann, wenn der Klaxon, die Hupe, mehrerer Autos laut wurde. Von vielen Seitengassen kamen Autos, hupten und reihten sich hinter den Menschen ein. Dazu begleitete eine Gruppe von Musikanten, Romas, den Gang. Mein Vater liebte das Akkordeon.
Eine Station nach der anderen wurde eingelegt. Am Friedhof
angekommen, begann das Ganze noch schlimmer zu werden. Der Sarg bekam ein
Deckel. Sie schlugen Nägel ein und ließen ihn langsam hinnunter.
All die drei Tage bei
uns daheim der Sarg blieb offen. Beim Rausgehen, am dritten Tag, veränderte sich das
Gesicht meines Vaters und dazu wurde gesagt: “dem Menschen tut es leid
unsere Welt zu verlassen”.
Wir haben alle geheult und wollten mit ihm gehen, während wir Erde in den Händen hielten und Blumen in das Grab warfen. „Möge diese Erde über ihm leicht sein“, wurde gerufen, und anschließend begann es stark zu gewittern. Auch hier wurde erwähnt: „Für diesen Mann weint sogar der Himmel.“